Notizen einer Verlorenen

Sarahs Jugendtagebuch 2. Teil

 

3.3.1995

Wir streiten noch immer sehr oft. Das, was mir so aufregend abenteuerlich erschien, ist mir zu einem bedrückenden Alltag verkommen. Was an alle dem fand ich nur so erstrebenswert, dass ich dafür Eltern und Schule verlassen habe? Bevor ich mit Manuel zusammenzog, hatte ich immerhin eine Schulfreundin. Jetzt habe ich zwar Manuel, aber sonst niemanden mehr.

 

9.4.1995

Neuerdings bekommt Manuel so seltsamen Besuch am Abend. Zwei Typen, die mir irgendwie unheimlich sind. Was sie zu dritt zu bereden haben, scheint für meine Ohren nicht bestimmt zu sein. Ständig unterbrechen sie ihr Getuschel, wenn ich in der Nähe bin. Und dann sehen sie mich an, als hätten sie gerade über mich gesprochen und die Blicke dieser beiden Fremden finde ich schrecklich aufdringlich.

Ich will Manuel da nichts nachsagen. Wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein. Was ich aber befürchte, ist, dass er etwas Illegales mit denen ausheckt. Bestimmt sind das Dealer! Ich möchte nicht, dass Manuel mit Drogen handelt. Er sagt immer, das bisschen Hasch schadet doch niemandem. Aber es ist ja trotzdem strafbar.

 

10.4.1995

Sie sind wieder da – diese beiden Fremden. Mir wird immer ganz übel, wenn ich die sehe … Manuel ruft nach mir … ich soll zu ihnen ins Wohnzimmer kommen.

 

11.4.1995

Mir ist sooo schlecht. Ich weiß gar nicht mehr richtig, was gestern Abend passiert ist. War ich wirklich so betrunken? Mein Kopf scheint zu platzen. Jetzt ist es 11 Uhr. Ich bin auf dem Wohnzimmersofa aufgewacht, aber ich weiß nicht einmal mehr, dass ich mich hier hingelegt habe – nur dass ich jetzt kotzen könnte. Was ich vor mir sehe, wenn ich versuche mich zu erinnern, sind Gläser voll mit Cola, Bier oder Wodka – und die Gesichter von diesen Typen. Wo war Manuel? Wo ist er jetzt? Kein Mensch ist da und die Bude sieht aus, wie nach einer Party. Mir tut alles weh. Ich habe Angst, dass das alles was mit den Drogen zu tun hat.

 

17.35 Uhr

Manuel kam um 13 Uhr total gut gelaunt nach Hause. Er war einkaufen, hat Pizza mitgebracht und einen neuen CD-Player. Er hilft mir, gleich alles aufzuräumen. So gut drauf war er schon lange nicht mehr. Auch für mich hat er wohl was mitgebracht. Ich bin gespannt, was es ist. Frage mich aber, wieso er auf einmal so großzügig mit dem Geld ist. Ich fragte ihn, ob das was mit den Männern und den Drogen zu tun hat, aber er sagte nichts dazu, sondern küsste mich nur. »Sei locker … ist alles ganz easy«, meinte Manuel. Und: »Wenn es immer so läuft, kann ich dir jeden Tag was schenken.«

 

12.4.1995

Gestern war der schlimmste Tag, den ich je erlebt habe. Am Abend war Manuel immer noch so gut gelaunt. Dann packte er das Geschenk für mich aus: Wäsche! Eine Korsage, halterlose Strümpfe … nur so ein Scheiß! Das war ja nicht das Schlimme – das Schlimme war der Grund, weshalb er mir das schenkte oder besser wofür. Und jetzt dämmert es mir, je länger ich versuche, mich zu erinnern an jenen Abend … diese Getränke, diese Männer und meine Unterleibsschmerzen auf einmal. Mein Gott!

Manuel sagte, dass sie wiederkommen würden und, dass wir so ganz einfach an Geld kommen würden. Er könnte ja mitmachen -wäre doch nicht so schlimm. Ich sah ihn nur noch durch einen Schleier von Tränen vor mir. Wie kann er mir so was antun?

Jetzt ist er raus, um Getränke zu holen, und ich denke nur noch an heute Abend. Was, wenn er diese Männer gleich mitbringt? Was mach ich nur?

Ich kann nicht warten …hab Panik. Ich hau ab!

 

3.15 Uhr

Mir ist kalt. Weil alles um mich herum so eisig ist. Es ist stockfinster hier auf der Treppe. Ich sitze im Hausflur meiner Eltern und höre von draußen nichts als Taubengurren und vereinzelte Autos.

Ich bin abgehauen. Einfach raus aus Manuels Wohnung und habe nur die erstbesten greifbaren Sachen von mir mitgenommen. Das war nur mein Rucksack, mein Notizbuch, ein Stift, mein Portomoneie – und meinen Teddy hab ich vom Bett gerissen. Dann bin ich die Treppe nach draußen runtergeschlichen, immer in der Angst, Manuel könnte mir entgegen kommen. Was hätte ich ihm dann sagen sollen? Dann bin ich gelaufen, ganz schnell und ohne mich umzusehen – direkt nach Hause zu meinen Eltern. Nur ein paar Straßen entfernt und doch Welten dazwischen. Aber was soll ich meinen Eltern jetzt sagen? Wollen sie mich eigentlich wieder haben? Wo soll ich denn sonst hin?

Oben im dritten Stock schlafen sie in weichen warmen Betten und ich sitze hier auf den kalten Steinstufen und warte auf den Morgen, weil ich mich nicht traue, bei ihnen anzuschellen.

Mann, ist das alles scheiße. Ich hab so Angst, dass sie mich rauswerfen.

 

13.4.1995

Ich habe die liebsten Eltern der Welt! Ich liebe sie und jetzt schäme ich mich, weil ich so schlecht über sie gedacht habe. Als ich heute ganz früh morgens zitternd vor ihrer Tür stand, haben sie keinen Moment gezögert. »Endlich«, seufzten sie beide und sie umarmten mich so innig. Wir haben alle drei den halben Morgen lang geheult. Aber das Wunderbarste war, dass sie mich nicht ein einziges Mal ausfragten. Sie nahmen mich einfach so auf, wie ich bin. Ich bin ihnen so dankbar.

 

15.4.1995

Wenn ich zuhause in den Spiegel blicke, sehe ich nur noch ein schwaches Abbild des Mädchens, das ich mal war. Was mich da anblickt, ist bleich, eingefallen und hat dunkle Augenränder. Ich sehe alt aus – und so fühle ich mich auch. Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen und wieder Kind sein. Mein Teddy sitzt wieder auf meinem Bett wie früher. Alles haben meine Eltern so gelassen, wie es war. Ich glaube, sie hofften die ganze Zeit über, dass ich zu ihnen zurückkehre. Doch sie haben nicht das Kind zurückbekommen, das sie mal hatten. Dieses Kind gibt es nicht mehr.

Ich kann meinen Eltern nicht sagen, warum ich letzten Endes wieder zurückgekehrt bin. Dass ich Hasch geraucht habe – okay, das wissen sie nun. Aber es ist ja nicht das Schlimmste. Ich hoffe, sie bekommen niemals heraus, wie wenig Unschuld noch in mir steckt.

 

30.4.1995

Es ist schwer. Es ist wirklich schwer, diese Leere auszuhalten, die sich in mir breitgemacht hat. Es ist eine Art extremer Ernüchterung. Nichts weiß ich mehr mit mir anzufangen. Manchmal fühle ich mich gar nicht mehr. Dann wieder zerreißt es mich. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich diese Joints so vermissen würde.

Meine Eltern sind sehr geduldig. Aber ich hasse es, wenn sie mich antreiben wollen, zu einem Psychotherapeuten zu gehen. Ich bin doch nicht bekloppt!

Jaja – ich weiß eigentlich, dass sie recht haben. Aber ich will nicht irgendeinem Klugscheißer mein Innerstes offenbaren und all das ausbreiten, was ich moralisch Verwerfliches in den letzten Monaten getan habe.

 

14.5.1995

Ich werde wieder zur Schule gehen. Eine Maßnahme vom Arbeitsamt für junge Leute. Wenn ich das zu Ende schaffe, bin ich Bürokauffrau. Naja. Eigentlich möchte ich was ganz anderes machen. Was Soziales vielleicht. Oder was Künstlerisches.

Morgen geht es los. Im Grunde mache ich das nur meinen Eltern zuliebe.

 

15.5.1995

Es war ganz okay, heute in der Maßnahme. Da gibt es eine Menge junger Leute, die auch irgendwie gestrandet sind und nichts Richtiges mit sich anzufangen wissen. Ganz nett.

Nur einer nervt mich jetzt schon. Marc, oder so, heißt der. Vielleicht auch mit »k« geschrieben – keine Ahnung. Ist so ein Großmaul, der alle anderen unterhält. Ansonsten, wie gesagt, ganz okay.

 

9.9.1995

Morgen für Morgen schleppe ich mich jetzt in diese Schule und lasse den Unterricht an mir vorbei rieseln. Das ist so öde. Nichts davon, aber auch gar nichts, interessiert mich wirklich. Ist das nicht furchtbar? Da will man Welten bewegen oder was Wichtiges machen und dann sitzt man in irgendeinem alten Raum und hört sich an, wie man »Soll« und »Haben« auseinander hält.

 

13.9.1995

Ich fasse es nicht! Heute stand, ganz überraschend für mich, Manuel vor der Schule. Ich konnte es kaum glauben. Mein Herz zersprang fast, als ich ihn sah.

Tatsächlich dachte ich, er hätte mich längst vergessen. Aber scheinbar hat er mich vermisst.

Ich gebe es nur ungern zu, aber ein Teil meines Herzklopfens beruhte auf Freude, ihn zu sehen. Ich weiß ja, dass es unsinnig ist. Aber als er mich dann noch so anlächelte … Er machte sich unglaubliche Mühe, mich zum Einsteigen in sein Auto zu bewegen. Manuel hatte sogar ein Geschenk mit – eine Halskette: ein Herz!

Echt – sogar auf Knien hockte er vor mir, vor allen Leuten, und das war ihm nicht mal peinlich.

Ich bin NICHT eingestiegen. Es wäre verrückt, nach all dem, ihm wieder zu verfallen.

 

14.9.1995

Er stand schon wieder da. Mit Blumen diesmal und einem Lächeln … ich weiß nicht, wie er das macht. Der Mann kann so unschuldig gucken, dass man sich fragt, warum man eigentlich Schluss gemacht hat und abgehauen ist.

Er hat mir erzählt, dass er jetzt richtig gut drauf ist. Er hat einen neuen Job bei der Bahn und er meinte, er wäre richtig »solide« geworden. Das Einzige, was ihm in seinem neuen Leben noch fehlen würde, sei ich.

Ich bin wieder nicht eingestiegen in sein Auto. Die Blumen durfte ich trotzdem mitnehmen.

 

16.35 Uhr

Meine Eltern waren geschockt, als sie die Blumen in meinem Zimmer sahen. Sie dachten sofort an Manuel. Ich habe dann gelogen und behauptet, dass sie von diesem Marc aus der Schule wären. Das hat sie dann beruhigt. Obwohl sie eigentlich recht haben, bin ich ein bisschen enttäuscht, weil sie mir nicht vertrauen.

 

0.12 Uhr

Hab den ganzen Abend auf die Blumen starren müssen. Vielleicht ist Manuel mir genauso verfallen, wie ich ihm. Ist es ein Schicksal, das uns vereinen will? Müssen wir uns zusammenraufen? Vielleicht ist er ja wirklich so solide geworden in seinem neuen Job. Wenn ich so an die anderen Jungen in der Maßnahme denke – keiner von denen könnte mich reizen. Alles Langweiler. Der Marc, jetzt ehrlich gesagt, der geht ja noch – obwohl ich ihn doof finde. Doch der hat wenigstens was an sich, dass er in der Masse auffällt. Die anderen aber … puh…

 

15.9.1995

Hab heute Vormittag anstatt in der Schule bei ›Casal‹ gesessen und Eis gegessen. Und dann stundenlang an Cola genippt. Ich hatte einfach keinen Bock auf »Soll« und »Haben«. Wenn das meine Eltern mitbekommen hätten, wäre ganz schön was los gewesen. Sie finden es so extrem wichtig, dass ich etwas ›Vernünftiges‹ lerne. Dass es mich anödet, interessiert sie nicht.

Gerade als ich gehen wollte, trat er ein: Manuel. Erst hat er mich nicht bemerkt. Er bestellte einen Kaffee und quatschte mit Guido hinter der Theke. Dann drehte er sich um und sah mich an.

Als er auf mich zu kam, musste ich mich vor lauter Pulsjagen setzen.

Manuel setzte sich neben mich und ich roch schon wieder sein tolles Rasierwasser. Es wehte wie ein Hauch mit seinem Atem zu mir herüber, als er mit mir sprach. »Krokantbecher … weißt du noch«, sagte er grinsend. Ja, ich erinnerte mich … Krokantbecher und dann der Weg in seine Wohnung, seine Hand in meiner Hose schon im Hausflur … Ich erschrak. Manuel streifte unter dem Tisch mit seinem Fuß innen an meinem Bein entlang. Eine kribbelnde Gänsehaut huschte über meinen Rücken bis zur Kopfhaut. Er lächelte vielversprechend … verdammt – ich ging mit. Schon wieder. Ich kann von Manuel nicht lassen.

Jetzt liege ich auf dem Bett in meinem Elternhaus und überlege, wie ich ihnen beibringen soll, dass ich es noch mal mit Manuel versuchen möchte. Der Mann zieht mich einfach magisch an. Und Mensch – wir alle müssen ja noch leben lernen, nicht wahr? Manuel ist soo alt ja auch noch nicht. Wir haben uns richtig gut ausgesprochen und er weiß, dass er nicht alles richtig gemacht hat. Auch mit den Drogen soll Schluss sein. Für alle sollte es noch eine zweite Chance geben.

 

16.9.1995

Gestern habe ich wieder meinen Rucksack gepackt, bin ich ganz heimlich und ganz ohne Abschied bei meinen Eltern raus und habe ganz leise die Tür geschlossen. Ein Abschied hätte mir das Herz gebrochen. Ich will nicht sehen, wie meine Mutter weint. Es ist die letzte Chance, die ich Manuel und mir noch gebe. Wenn das mit uns diesmal wieder nicht gut geht, dann werde ich einen endgültigen Schlussstrich unter unsere Beziehung setzen, das habe ich mir geschworen. Und dieses Tagebuch, will ich gar nicht weiterführen. Es ist blödsinnig alles aufzuschreiben, wenn es sowieso niemand je lesen soll.

 

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5. Mai 1997

Nun habe ich es doch wieder in der Hand – mein Tagebuch. Wenn ich mir das jetzt so durchlese – zwei Jahre nach meiner letzten Eintragung – merke ich, wie schrecklich naiv ich war. Ich habe nicht mehr viel Zeit, um es zu lesen, denn gleich kommen sie, um mich abzuholen.

In der ersten Zeit war unser Neuanfang richtig schön. Manuels Geld reichte, wir waren entspannt, träumten von verrückten Sachen, die wir in der Zukunft ausprobieren wollten, und unser Sex war klasse. Auch später, wenn wir uns – leider immer öfter – in der Wolle hatten, schmolz ich im Bett unter seinen Händen dahin. Sein Einfallsreichtum war unglaublich. Kamasutra war nichts dagegen. Dann, als er arbeitslos wurde, nahm ich eine Stelle bei einer Bäckerei an. Es war nicht die Art Arbeit, die ich mir gewünscht hätte, aber dafür hatte ich ja was anderes: Manuel und mich!

Doch nach und nach, so klangheimlich, wurde seine Laune von Tag zu Tag schlechter. Jedes Mal, wenn er mich sah, zog er ein Gesicht, als wäre ich eine riesige Last in seinem Leben … bis er mich das erste Mal wieder schlug. Ich malte mir aus, es wäre eine vorübergehende Laune, suchte nach allen möglichen Entschuldigungen dafür, dass ich es ertrug. Ich wollte einfach nicht, dass mein Traum von unserem gemeinsamen Leben zerplatzte. Also tat ich so, als wäre ich blind.

Eben, als ich etwas eher nach Hause kam – ja, da hätte ich mir gewünscht, ich wäre blind gewesen … und taub. Vor der Tür kramte ich nach meinem Haustürschlüssel, der mal wieder ganz unten im Dunkel der Handtasche verschwunden war. Da hörte ich es. Ihre Stimmen von drinnen, keine leisen Stimmen … kichernde Stimmen … lüstern kichernde Stimmen und dann ihr Stöhnen. Mein Ohr an der Tür sandte jeden ihrer ungehemmten Laute über den Verstand in mein Herz und von da aus zu einem der dunkelsten Winkel meines Hirns. Als ich aufschloss und eintrat – nicht einmal leise – bemerkten sie mich nicht einmal. Ich stand mitten im Wohnzimmer und sah Manuel und dieses junge Mädchen auf unserem Sofa – sie nackt und an Händen und Füßen gefesselt, er, die Hose runtergezogen, keuchend zwischen ihren Beinen, derart verzückt, dass er weder Augen noch Ohren das hatte, was im Zimmer sonst so vor sich ging.

Es tat so weh, ihn so zu sehen. Ich fühlte mich in diesem Moment wie eine verwelkte Blume – gepflückt und fallen gelassen, vergessen und um ein Leben betrogen.

Ich störte sie nicht. Nein – ich ging in die Küche und stellte die Kaffeemaschine an. Ich hörte sie hinter mir stöhnen und wartete auf das Rötzeln des Kaffees, wenn es in die Kanne tropft, um sie nicht mehr hören zu müssen. Als das Stöhnen nicht aufhörte, öffnete ich die Schublade, nahm das große Fleischmesser und ging zurück ins Wohnzimmer.

Ich habe dem Mädchen nichts getan. Sie war nur ein kleines naives Mädchen. Ich schnitt sie los und sie rannte fluchtartig und schreiend aus dem Haus. Ich habe längst vergessen, wie sie aussieht.

Manuels Gesicht aber vergesse ich bestimmt nicht. So erstaunt! Vollkommen überrascht! Man hätte meinen können, ich hätte einem völlig Unschuldigen das Messer in den Schritt gerammt.

Der Stift rutscht mir immer wieder aus meiner Hand. Meine Finger sind glitschig von dem Blut, das mir entgegen spritzte. Manuel liegt auf dem Wohnzimmerteppich und schreit. Die Wohnungstür steht offen und die Nachbarn stehen im Hausflur. Gleich kommt der Krankenwagen. Ich glaube nicht, dass sie ihm seine Hoden noch retten können.

Draußen geht eine Sirene – könnte auch schon die Polizei sein. Ich warte.

 

4. Dezember 1997

Das war der letzte Tag der Verhandlung. Ich erhalte eine Jugendstrafe von 2 Jahren und neun Monaten. Manuels Augen blickten mich hasserfüllt an. Er kann nicht ahnen, dass ich ihm noch nicht einmal mehr böse bin. Ich bereue meine Tat zutiefst. Laut Gutachten soll er nie wieder so wie ein normaler Mann lieben können.

2 Jahre und neun Monate Jugendgefängnis. Ich weiß nicht, was da auf mich zu kommt. Meine Eltern haben im Gerichtssaal geweint. Sie tun mir unendlich leid.